update

Natürlich hab ich heute noch alles gegeben, wieder handlungsfähig zu werden. Ich war tatsächlich in meinem Zustand noch arbeiten (tat mir halbwegs gut wegen der klaren Strukturen jenseits des Familiengeschwurbels) um dann danach einen Kuchen zu verbrennen, diverses Geschirr zu zerdeppern, meine ganze Hand zu versengen, zu erleben daß das wichtigste Geburtstagsgeschenk nicht ran kommt und festzustellen daß ganz wichtige Dinge nicht eingekauft wurden und alle Läden schon zu haben. Eigentlich wollte ich mich heute mit einem Konzert meiner absoluten Megalieblingsliveband belohnen die ja viel zu selten hier in die Gegend kommt und die ich schon seit über 2 Jahren arg vermisse, aber ich KANN einfach nicht mehr. Mir tut jeder Knochen weh und ich will mich einfach nur noch verbuddeln. Wäre ich nicht schwanger, wäre jetzt der beste Zeitpunkt für einen Schnaps

Es könnte so nett sein, wären da nicht andere

Da ist er nun also, unser alljährlicher familiärer Geburtstagsmarathon der von Ende November bis Mitte Februar fast jeden Tag einen Geburtstag bereit hält. Aktuell habe ich grade 2 Geburtstagstage hinter mir und stehe nun schon recht genervt vor 4 Tagen am Stück, an denen meine beiden Liebsten feiern. Morgen hat die Kleine Geburtstag, dh. morgen fallen sämtliche Großeltern ein. Übermorgen feiert sie groß mit ihren Freunden, Samstag ist das Haus voll mit Freunden vom Herrn Anders die mit uns reinfeiern wollen und Sonntag kommt dann nochmal der Rest Freunde mit Kindern und die Eltern zum Kaffee und Abendbrot. Eigentlich freue ich mich sogar schon drauf, umsorge ich eigentlich sehr gerne meine Liebsten mit tollen Dingen die sie erfreuen.

Damit sowas bei all dem Stress gut läuft, bedarf es einer guten Planung und dennoch läuft jedes Jahr fast das selbe schief und das liegt selten an mir. Ständig kommen mir Menschen in die Quere und ich muss es dann immer ausbügeln. Meine eigene Planung ist immer sehr  konkret, ausgefeilt und gut. Das geht los mit lange vorab verschickten Amazonwunschlisten mit exakten Ansagen für alle Beteiligten, wer sich von was der 1000 Wünsche was aussuchen kann. Die weitere Planung geht über konkrete Essens-, Trinken- und Kuchenplanungen wer wann was mitbringen darf, was besorgt werden muß, wer wo schläft, wann erscheint, was an Extras braucht und geht über die inhaltliche Gestaltung zB. des Kindergeburtstages. Wenn ich sonst nix kann, aber gutes planen und Listen machen ist ja schließlich meine Supergeheimkraft. Das kann ich und wenn sich alle daran halten wird es auch immer richtig gut.

Nun kommt es aber wie jedes Jahr, daß sich niemand an diese Planungen hält und einige spezielle Menschen meine Pläne anscheinend immer wieder ungewollt sabotieren und mal spontan ihr Ding unabgesprochen durchziehen.

Aktuelles Beispiel. Ich stehe in der Küche und backe die ganz spezielle hochaufwändige Spezialwunschkäsekuchentorte mit farblich exakt vorgegebenen Zahlen und Mustern der Tochter an mich und telefoniere nebenbei mit der einen Oma um zu fragen wie groß denn ihr Gärtnerkuchen wäre den sie ja extra machen wollte. Da erzählt sie mir, daß sie nun einfach doch den Spezialwunschkuchen grade fertig gemacht hätte, an dem ich mich grade aktuell abarbeite. Schließlich hätte das Kind sich den ja mal gewünscht. Ja, sie hat sich den vor allen mal nebst 1000 anderen Kuchen von mir gewünscht und ich habe mehrfach an diesem Tag betont daß ICH den einen mache und alle anderen lieber die zig anderen Spezialwunschkuchen, weil ich einige davon gar nicht backen kann. Davon weiß natürlich heute wieder keiner was und ich stehe nun sinnlos an etwas arbeitend was wir nun nicht mehr brauchen als die Doofe da, die das ja nicht gesagt hätte. Hab ich aber und das sogar mehrfach, weil ich ja eben meine Pappenheimer kenne die immer nur halb zuhören. All die Extraarbeit die sich nun alle gemacht hätten…zur Not würden sie ja noch einen mit viel Extraaufwand dazu backen. Wie großzügig! Wie es mir dabei geht, interessiert ja keinen und daß ich das dann folgende hintergründige Gegrummel viel zu stark wahrnehme und absolut nicht ertragen kann. Ich könnte jetzt schon heulen und alles hinwerfen. Ich bin nicht gut im Umgang mit Störungen meines Ablaufplanes und hatte ich noch vorhin voll Lust und Spaß am vorbereiten, würd ich jetzt am liebsten schon abhauen bevor es überhaupt los geht. Vielleicht mag das für andere alles Kleinkram sein, aber ich habe zur Zeit generell sehr sehr wenig Kraft und Energiereserven ob der vielen Arbeit (ich arbeite grade für meinen Mutterschutz mit 0€ Geld vor), der doch recht anstrengenden und energiesaugenden Schwangerei, meiner körperlich heftigen Dauerschmerzen in jedem Gelenk meines Körpers, permanenter Schlaflosigkeit und meiner eh schon energiefressenden autistischen Art. Ich sammle seit Tagen jedes noch so kleine Löffelchen an Kraft auf, um es irgendwie trotzdem schön hinzubekommen und zack, ist mit einem Mal alles weg wegen so blöder Sachen. Zusätzlich ahne ich ja auch noch weitere Dramen, weil die einfach jedes Jahr immer wieder passieren. Da stehen nämlich jedes Jahr alle Großeltern mit exakt den selben Geschenken da und grummeln dann wie doof rum weil das dann ja so blöd ist. Und das immer nur weil sich ein Großelternpaar nicht an Absprachen hält und auch nichtmal nach Nachfrage sagt was sie denn nun gekauft haben. Kurioserweise sind das ausnahmsweise mal nicht meine eigenen Eltern, die alles über den Haufen werfen, sondern die des Gatten. Dabei wäre das ja eigentlich eher typisch für meine Eltern, aber diesmal sind die zumindest keine Planungscrasher und verhalten sich vorbildlich. Meine sitzen dann halt hinterher immer nur da und grummeln ebenso mit und machen mir Vorwürfe weil ich so schlecht organisiert wäre, weil ihre ach so tollen Kuchen und Geschenke doppelt kommen oder getopt wurden oder weil das Kind nuschelt oder das Haus nicht perfekt geputzt ist oder so.

Oh was freu ich mich schon

NICHT!

Ich versuch jetzt erstmal die Systemstarre mit schreiben zu händeln, geh gleich nochmal ne Runde heulen und verzweifelt Löffel suchen, während ich nebenbei noch mit guter Maske recht schwer und lange arbeiten muß um vielleicht heute Abend noch was vorbereiten zu können. Jetzt geht erstmal nix mehr.

Schon schlimm, so hilflos mit anzuschauen wie schnell ich durch allerkleinste Irritationen und Planänderungen unter Stress so völlig bis zum totalen Systemcrash mit Verlust all meiner Fähigkeiten durchknallen kann. Noch schlimmer, wenn ich es nichtmal selber verursache sondern andere die keinen blassen Schimmer haben was sie mir damit antun. Ich will das nicht haben! Das kann bis zum richtigen Shutdown gehen den man bei mir absolut wörtlich nehmen kann. Jedes noch so bedeutungslose System stellt dann seine Arbeit für unbestimmte Zeit komplett ein. Ich kann dann manchmal weder gehen, mich bewegen, noch denken, noch schreiben, noch sprechen. Nur mir selber von oben dabei hilflos zugucken geht dann und dann heißt es auf einen Reboot hoffen und daß hinterher noch alles funktioniert. Das würde ich heute gerne vermeiden wenn es irgendwie geht.

Schulsurvival

Im Moment bin ich stark gefordert, um das Leben und Überleben meiner Kinder zu gewährleisten, daher komme ich kaum zum schreiben. Das eine im Bauch und das andere das als kleiner Autist in einer 0815 Grundschule schwerste Probleme hat. Noch nichtmal 7 Jahre alt und schon auf dem Weg schwer depressiv zu werden, einfach nur weil niemand ihre Not sieht und weil das System nicht zu ihrem paßt, trotz mühegebens auf höchstem Niveau. Das macht mir wirklich sehr große Angst. Noch ist mein Kind ein fröhliches, offenes mit sonnigem Gemüt aber ich sehe wie es grade massiv kippt. Sie weint jeden Tag ganz bitterlich, sie hat Alpträume, findet sich in allem viel zu schlecht, zweifelt sehr an sich, findet sich doof und schlecht, traut sich plötzlich nichts mehr zu, hat nie dagewesene Ängste vor allem und jedem und ist vor allem einfach nur traurig.

Jeder Tag, jede Stunde, jede Interaktion geht quasi gegen ihre Art und fordert ein enorm großes Maß an Kompensation. Es erfordert von uns als Eltern dann ein ebenso hohes Maß an nachschulischem Energiereinbuttern mit supervielen festen unabänderbaren Routinen, Ruhe, ganz viel Liebhaben, Selbstvertrauen wieder aufbauen, permanenten Notlandungen und Erdungen, Anfällen aushalten, stundenlanger schwieriger Einschlafbegleitung an kreischendem Kind und nochmal Routinen, Routinen, Routinen. Alles nur damit am folgenden Tag wieder ein paar Stunden Schulalltag überlebt werden können. Da kann man eben nicht mal schnell die Oma besuchen fahren, Kinder zum spielen einladen, ins Kino gehen. Da reicht es schon zum totalen Durchdrehen wenn die Trinkflasche falsch befüllt ist oder es etwas anderes als Gemüseschnitze zum Abendbrot gibt. Alle Kraft wurde eben vorher in der Schule verpulvert. Auch wir Eltern können das manchmal kaum bewältigen, denn auch wir sind Autisten die sich selber nach einem Tag in der Normalwelt erden müssen und wenig Kraft für aufwändige Extras haben. Dennoch zapfen wir unsere eigenen Notreserven immer wieder an für unser Kind. Das ist es uns auch wert. Schließlich sehen wir auch jeden Tag was wir damit tolles erreichen können.

Was ist denn nun eigentlich so schwer an diesem Schulalltag?

Also, in ihre Klasse gehen knapp 30 Kinder von denen sie kaum eines vorher kannte, während alle anderen gemeinsam in eine Kita gingen. Die Örtlichkeiten sind ihr ebenso fremd weil sie in eine andere Schule eingewöhnt wurde. Sie hat an unterschiedlichen Orten Unterricht und muß diese mit überfülltem Schulbus jeweils eigenständig anfahren. Ständig gibt es Veränderungen. Sitzordnungen werden immer mal wieder getauscht, Stunden getauscht, Stunden ungeplant hinten angehängt, Termine verschoben oder abgesagt, Pausen werden individuell von den Lehrern gelegt. Anweisungen der Lehrer sind oft sehr uneindeutig und oft weichen Regeln individuell ab. zB. wann wo gegessen werden darf in den Pausen ist bis heute nicht ganz klar. Der Klassenlehrer sagt in der großen Pause müssen alle sofort raus und den Raum verlassen und dann verläßt er das Geschehen. Die Pausenaufsicht draußen sagt, draußen gegessen werden darf nicht nur im Klassenraum in der großen Pause. Ja, wann denn nun? So kommt es daß mein Kind wochenlang nicht ißt und trinkt und keiner merkt es. Fehler die gar keine sind werden arg und vor allen anderen öffentlich angekreidet. zB. Bild von einem Kamin mit der Frage wieviele O in dem Wort stecken, Antwort der Tochter: keines, weil sie einen Kamin sieht und keinen Ofen. Auch nach nachträglicher Erklärung ihrerseits daß sie das Kamin nennt bleibt es ein Fehler. Ebenso Bilder in denen das Wort Hund gesucht ist und sie aber die jeweilige Rasse erkennt, weil das ihr Spezialinteresse ist. Von der Art Doppeldeutigkeiten gibt es massig in der ersten Arbeit-schwupps, erste Klassenarbeit total fehlerhaft und versaut, Kind findet sich furchtbar schlecht obwohl sie die Anforderungen perfekt beherrscht. Dann ist es natürlich noch furchtbar laut und wuselig in der Klasse. Sie wird zum Teil schwer gemobbt und geärgert, wenn sie dem Lehrer dann davon berichtet ist sie ne Petze. Sie hat kaum Freunde und muss immer alleine spielen was sie enorm traurig macht. Fremde Kinder ansprechen geht nicht und wenn sie es mal versucht gibt es Ablehnungen. Daher wünscht sie sich nichts sehnlicher als einen Minicomputer, damit sie in der Pause überhaupt eine eigene Beschäftigung hat. Sie langweilt sich wohl oft sehr weil das Unterrichtsniveau extrem niedrig ist weil die Hälfte der Klasse kein deutsch sprechen kann. Nebenbei malen oder kritzeln wenn man fertig ist ist verboten. Sie wird als Beidhänder gezwungen nur mit links zu schreiben, was dazu führt daß sie zu Hause alles heimlich auf rechts trainiert und sie dann mit keiner Hand wirklich gut ist. Generell alles läuft ganz fürchterlich auf  Wettbewerbsniveau und mit viel Druck, zB. Ampelsystem nach dem Schüler an der Tafel nach gut, mittel schlecht eingeteilt werden und nur wenn alle gut und grün sind kriegt die ganze Klasse ne Belohnung. Die paar schlechten Schüler sind dann natürlich immer offen an der Tafel angeprangert und vor allen schuld wenn das nix wird. Ständig gibt es Turniere und Leistungsvergleiche wo man hinterher als gut oder schlecht eingestuft wird. Was soll das? Das als gedankliche Anker im Ranzen heimlich befindene winzig kleine Kuscheltier darf so ganz offiziell nicht mehr mit und eigentlich ist alles außerhalb der spannenden neuen Lerninhalte auf die sie sehr scharf ist nur ganz fürchterlich.

Das Kind ist erst ein paar Wochen in der Schule und innerlich rechne ich schon die Mindestanzahl an Jahren für mich aus die sie irgendwie aushalten muss. Wir haben hier keine Alternativen und es gibt nunmal ne Schulpflicht. Austausch mit den Lehrern ist leider auch nicht sonderlich fruchtbar. Also weiter durchhalten und sich immer wieder einreden daß auch ich das geschafft habe mit einem viel schlechteren Rückhalt aus dem Elternhaus und unser Kind generell schon vieles besser kann als wir es jemals konnten. Die ist 1000x stärker und genialer als wir. Sich also immer wieder einreden daß sie nicht so enden muß wie wir und daß alles nur unsere eigenen Zukunftsängste aus unseren schlechten Erfahrungen sind.

Wenn da nur nicht diese riesengroße Angst wäre, die Kleine sehenden Auges und total hilflos an ein großes tiefschwarzes Biest zu verlieren…die läßt sich nicht wegschieben

Zeugnisschau

Habe grade meine alten Grundschulzeugnisse gefunden. Ist schon spannend das mit einem ganz anderen Hintergrundwissen über Autismus und so zu lesen. Paßt alles schon irgendwie zu mir:

…ist ein besonnen auftretendes Mädchen. Sie nimmt den dargebotenen Unterrichtsstoff rasch auf. Es fällt ihr leicht, Zusammenhänge zu begreifen. Das zeigt sich besonders im Fach Mathematik. Durch außerunterrichtliche Lektüre bereichert sie ihr gutes Allgemeinwissen. Aufgaben erfüllt sie gewissenhaft und zuverlässig. Sie setzt sich kritisch mit den Problemen der Pioniergruppe auseinander, muss es aber noch lernen, sich auch gegenüber ihren Mitschülern durchzusetzen“

„…ist ein ruhiges, ernsthaftes Mädchen. Sauber und übersichtlich gestaltet sie ihre schriftlichen Aufzeichnungen. sie besitzt sehr gute Umweltkenntnisse, könnte diese aber noch aktiver für den Unterrichtsverlauf nutzen. Sie muß es noch lernen, persönliche Interessen hinter gesellschaftliche Aufgaben zu stellen, ihr übertragene Aufgaben über einen längeren Zeitraum zuverlässig zu erfüllen (Anm: habe mich nach einer Weile strikt verweigert, jede Schulpause die ich ja zum erholen brauche Essenbringedienst für alte Damen in der Gegend zu machen, während meine Mitstreiter heimlich wegblieben und mir alles alleine aufbürdeten)…“

„Du bist eine ruhige und freundliche Schülerin. Den Unterricht bereicherst du durch interessante und manchmal besonders originelle Beiträge. Im Umgang mit der deutschen Sprache bist du sehr gewandt. Orthographische und grammatikalische Regeln beherrschst du sicher. Dein mathematisches Wissen ist fest und anwendbar. Hervorheben möchte ich dein Interesse und deine Einsatzbereitschaft bei der Planung außerunterrichtlicher Belange…“

„…im Unterricht hast du immer sehr fleißig mitgearbeitet. Du kannst interessant erzählen und deine Überlegungen auch schriftlich darlegen. Mir gefällt, daß du dir über sehr viele Dinge Gedanken machst und darüber sprichst. Gegenüber deinen mitschülern bildest du dir deine eigene Meinung und vertrittst diese auch gegen die Mehrheit. Von dieser ehrlichen Haltung solltest du dich nie abbringen lassen…“

 

 

Angstprogramme

Ich halte mich inzwischen für eine recht starke Person. Ich habe Dinge überlebt, ich habe Dinge überwunden, ich habe mich gefunden (also zumindest so halbwegs), habe mir mein eigenes Leben mit meiner eigenen Firma und kleiner Familie aufgebaut, vertrete tapfer jeden Tag meine Interessen und ich meistere jede neue Hürde die sich mir entgegenwirft wie ein Held. Dennoch bin ich manchmal ganz ganz fürchterlich schwach und klein. Das paßt dann irgendwie nicht ins Bild und ich glaube niemand der mich als diese starke Person wahrnimmt nimmt mich dann ernst wie schlimm es in diesen Situationen um mich steht. Ich kann dann nur noch katatonisch in der Ecke sitzen oder will auf den Arm. Da gibt es nämlich noch so alte Programme derer ich einfach noch nicht Herr werden kann, obwohl ich sie kenne und sehen kann.

Eines davon davon heißt: verärgere andere um keinen Preis und lade dir keinen Mißmut anderer auf weil die dich dann quasi umbringen

Drückt man einmal auf den dazu passenden Knopf verfalle ich in allerschwerste Angstzustände und Panik. Wohlwissend wie bescheuert und dämlich das eigentlich ist.

In so eine Falle bin ich grade mal wieder getappt. Vor den Ferien bekamen wir einen kurzen Infobrief der Schule wann das Kind am zusätzlichen Förderunterricht wegen Konzentration und Motorik teilnimmt. Natürlich zeitlich am schlimmsten Tag der eh schon durch den verhassten Sport und viele Stunden immer für Überlastung sorgt. Wir wußten bis dato von nix. Weder von Förderbedarf, noch wurde jemals mit uns geredet. Das Kind ist derzeit eine der besten Schüler der Klasse, kommt prima mit, arbeitet konzentriert etc. Motorik kann ich glaub ich als Frau vom Fach auch durchaus beurteilen. Aber wenn es nötig sein sollte, bin ich natürlich die letzte die was dagegen hat. Aber diese Art…Nun habe ich mich natürlich tierisch aufgeregt. Sowas muß man doch vorab besprechen?! Eine liebe Freundin und Lehrerin supportete uns mit Fakten und riet uns einen kurzen sachlichen Brief zu schreiben daß wir den Förderunterricht klar ablehnen, weil wir erstmal schriftlich über konkrete Förderpläne informiert werden wollen und dann abzuwarten.

Also so ein, ich ärger mal die neuen Lehrer Ding. Bääääääm- Knopf gedrückt, Alarm, Programm läuft komplett durch. Ihr ahnt gar nicht wie schwer es mir gefallen ist diesen Brief mit letzter Kraft trotzdem zu schreiben und ihn dann auch noch abzugeben. Ich schlafe seit 2 Wochen nicht mehr wegen diesem Pillepallescheiß und dem damit laufenden Programm. Heute wurde ich dann richtig panisch. Dennoch habe ich es heute morgen heldenhaft getan und das Ding abgegeben und nun geht es mir schon den ganzen Tag ganz fürchterlich schlecht und ich habe keine Ahnung wann das endlich mal aufhört. Ich habe Angst vor den Konsequenzen, Angst nun mit Menschen reden zu müssen um vielleicht nochmal persönlich meinen Mißmut vorzubringen, Angst jemals wieder auf den Lehrer zu treffen, Angst, Angst, Angst…Das ist doch total bescheuert! Ich will das nicht und ich will nicht so sein. Zu doof nen Brief abzugeben oder mal klar für das Kind aufzutreten. Manchmal frage ich mich, wie ich mit sowas überhaupt so weit durchs Leben gekommen bin und wie man mit sowas eine gute Mutter sein kann. Aaaaargh!

Mach doch mal weg den Scheiß!

Endlich wieder Alltag

Erster Arbeitstag und es war herrlich! Endlich wieder feste Strukturen und klare Abläufe. Daß ich sowas nochmal so sehr genießen kann ist schon irgendwie verrückt und klingt immer noch sehr seltsam für mich. Hielt ich mich doch immer mein Leben lang für eine strukturlose Chaosqueen die sich ausschließlich im Chaos wohlfühlt. Ja, heute bin ich schlauer. Heute weiß ich daß ich Ordnung und Struktur wirklich sehr liebe. Nur wahren kann ich sie leider überhaupt nicht gut. Umso mehr freue ich mich über ein kleines bißchen Struktur das vom Außen fix vorgegeben ist.

Ich hab schon ganz schön Glück, so einen stark strukturierten Mann abbekommen zu haben der mich wieder erdet und einnordet in meinem Chaos. In meinem Kopf hab ich für uns immer das Bild von einem bunten Papierdrachen mit kunterbuntem Schwanz der in den Windböen unplanbar und wirr umhertänzelt und seine Kreise zieht. Dieser Drache hängt an einer Schnur die an einem eckigen Felsen befestigt ist. Ohne diese Verbindung wäre ich glaub ich verloren. Sie gibt mir Halt und macht gleichzeitig daß ich fliegen kann wie es zu mir paßt.

Machen Sie bloß nie Urlaub

Dieser Beitrag rumort schon seit 2 Wochen in mir und ich kann und kann ihn nicht schreiben. Es bedarf zuvieler Worte, von denen ich zur Zeit zu wenige habe. Ich versuchs dennoch mal. Das Kind hatte 2 Wochen lang seine allerersten Ferien und ich hab mir in der Zeit auch mal 2 volle Wochen Urlaub gegönnt was für mich als Selbständiger kurz vor Schwangerschaftsnixgeldzeit wirklich sehr teuer und kostbar ist. Ich glaube ich hatte noch nie so lange am Stück Urlaub. Der Plan war Nichtstun, erholen und ein bißchen herbstliches rumgedümpel mit Kastanien sammeln, Kino, Laternenbasteln und denken dürfen. Ich wußte daß es kein Zuckerschlecken wird 24/7 mit dem derzeit schwerst mamaklebrigen Tochterkind die Zeit zu verbringen, aber ich kenn das und kann das ganz gut ohne daß es mir zuviel wird oder daß es mich ablenkt. Wir ticken beide sehr ähnlich in Intensität und Schnelligkeit, sodaß das eigentlich ganz gut klappt mit uns beiden. Zudem kann ich die Kleine auch gut mal mit diversen Beschäftigungen zwischenparken und mich in Ruhe um mich kümmern. Nun geht es mir blöder als vorher weil alles anders kam als geplant.  Ich hatte mich auf ein paar Stunden alleine und alleine zu zweit sein gefreut, etwas Zeit zum sinnieren und nachdenken, entschleunigen etc. und dann wurde der Mann 2 Wochen krank. Also nicht wirklich krank, sondern mit Sehnenscheidenentzündung die gut händelbar war. Eigentlich ein Grund zum jubeln und freuen. Sehen wir uns ob des Schichtdienstes doch alle sehr selten mal einen ganzen Tag und hey, 2 Wochen als Familie das ist doch was. Nur nicht für mich. Mein Mann, so liebevoll wie er auch ist, strahlt so eine fürchterliche Hektik aus, will ständig beschäftigt sein, meidet tiefgründige Gespräche wo es nur geht und ist genau so speziell drauf wie ich, nur eben andersherum. Wenn nun also 3 Leute mit unterschiedlichen Vorstellungen und Geschwindigkeiten im Denken und tun  permanent zusammenhängen ist am Ende glaub ich niemand mehr so wirklich glücklich. Wir bremsen uns stetig gegenseitig aus, nehmen permanent Rücksicht auf alle anderen, fühlen uns schlecht deswegen, beschleunigen uns künstlich und obendrein ist jeglicher Rhythmus verloren ob der fehlenden Alltagsstruktur.  Wir haben keine Ferienstrukturen und -abläufe als Familie. Wir kennen sowas einfach nicht. Das heißt, wir haben bei all dem schwierigen Miteinander-Gerödel nichtmal ein Grundgerüst an das wir uns klammern können. So treiben wir von Tag zu Tag sinnlos zu dritt durch unsere freien Tage, geben uns schwerste Mühe und ich glaube wir können es dennoch kaum sehnlicher erwarten endlich wieder unseren langweiligen Alltag leben zu dürfen. Naja, eigentlich sehne ich mich für meinen Teil viel mehr nach Urlaub vom Urlaub als nach Arbeit. Alleine sein, Dinge tun die ich gerne tue, mein Tempo fahren dürfen usw. Am liebsten würd ich abhauen auf eine einsame Insel mit Vollverpflegung und Internet. Ich träume sehr oft davon wie schön es war, als ich noch ganz alleine lebte. In meiner eigenen Wohnung, in meinem Tempo und auf meine Art und Weise. Tja, das wird es so nie mehr geben und nun muß ich mit meinem neuen Alltag zu dritt und bald sogar zu viert einen neuen Umgang finden. Ich bin da ganz zuversichtlich daß das irgendwann klappen wird, aber derzeit geht das eben noch nicht.

Mich haben diese Tage enorm ausgebremst und das ist so höllisch anstrengend. Nie durfte ich im Kopf genügend rödeln, denken, planen, analysieren. Klar bekam ich sogar bewußt Zeit dazu, aber es hat nie gereicht. Höchstens für ein schlechtes Gewissen weil der Gatte permanent irgendwas macht und tut und ich nichts. Ich hätte zudem so gerne schwerphilosophische Gespräche mit Menschen geführt, mich einfach entspannt auf meine Weise. Was mir im Außen fehlt und mich gemütlich und tranig wirken läßt, läuft nämlich im Inneren zur hyperaktiven Höchstform auf. Nur dann bin ich wirklich tiefenentspannt und froh. Wenn im Innen alles in Warpgeschwindigkeit auf 1000 Ebenen gleichzeitig feuern darf, während das Außen stumm und starr in der Ecke hocken darf und einfach mal ganz lange nichts tut bin ich wahrhaft glücklich.  Mein Mann ist da glaub ich total andersherum drauf. Im Außen eher hyperaktiv und im Inneren still wenn es ihm gutgehen soll.

Leider läuft unglücklich sein bei mir dann eben genau so wie sein glücklich sein ab. Dinge tun müssen (egal wie nett), sich auf andere einlassen, Rücksicht nehmen, den Tag „sinnvoll“ verbringen, etwas schaffen, Pläne abarbeiten, berieselt werden, versorgen, umsorgen…

Blöde Sache das! Es ärgert mich enorm daß ich diese kostbare Erholungszeit irgendwie so vergeudet habe.

Tja, ich bin jetzt in einem Zustand in dem ich schwer überfordert durch permanente Unterforderung bin. Mir ist hochgradig langweilig und ich habe das Gefühl mein Hirn stirbt grade dadurch zunehmend ab. Es reicht meist nichtmal mehr zum schreiben. Nicht weil mir spannende Tätigkeiten fehlen, sondern weil ich durch diesen ewigen Familienalltag nicht in meinen Kopfspielplatz kann um einfach mal zu entspannen. Ich bin nervlich am Ende, ein Wrack und ich weiß nichtmal ob ich Montag ob meines Zustandes überhaupt arbeitsfähig sein werde.