Machen Sie bloß nie Urlaub

Dieser Beitrag rumort schon seit 2 Wochen in mir und ich kann und kann ihn nicht schreiben. Es bedarf zuvieler Worte, von denen ich zur Zeit zu wenige habe. Ich versuchs dennoch mal. Das Kind hatte 2 Wochen lang seine allerersten Ferien und ich hab mir in der Zeit auch mal 2 volle Wochen Urlaub gegönnt was für mich als Selbständiger kurz vor Schwangerschaftsnixgeldzeit wirklich sehr teuer und kostbar ist. Ich glaube ich hatte noch nie so lange am Stück Urlaub. Der Plan war Nichtstun, erholen und ein bißchen herbstliches rumgedümpel mit Kastanien sammeln, Kino, Laternenbasteln und denken dürfen. Ich wußte daß es kein Zuckerschlecken wird 24/7 mit dem derzeit schwerst mamaklebrigen Tochterkind die Zeit zu verbringen, aber ich kenn das und kann das ganz gut ohne daß es mir zuviel wird oder daß es mich ablenkt. Wir ticken beide sehr ähnlich in Intensität und Schnelligkeit, sodaß das eigentlich ganz gut klappt mit uns beiden. Zudem kann ich die Kleine auch gut mal mit diversen Beschäftigungen zwischenparken und mich in Ruhe um mich kümmern. Nun geht es mir blöder als vorher weil alles anders kam als geplant.  Ich hatte mich auf ein paar Stunden alleine und alleine zu zweit sein gefreut, etwas Zeit zum sinnieren und nachdenken, entschleunigen etc. und dann wurde der Mann 2 Wochen krank. Also nicht wirklich krank, sondern mit Sehnenscheidenentzündung die gut händelbar war. Eigentlich ein Grund zum jubeln und freuen. Sehen wir uns ob des Schichtdienstes doch alle sehr selten mal einen ganzen Tag und hey, 2 Wochen als Familie das ist doch was. Nur nicht für mich. Mein Mann, so liebevoll wie er auch ist, strahlt so eine fürchterliche Hektik aus, will ständig beschäftigt sein, meidet tiefgründige Gespräche wo es nur geht und ist genau so speziell drauf wie ich, nur eben andersherum. Wenn nun also 3 Leute mit unterschiedlichen Vorstellungen und Geschwindigkeiten im Denken und tun  permanent zusammenhängen ist am Ende glaub ich niemand mehr so wirklich glücklich. Wir bremsen uns stetig gegenseitig aus, nehmen permanent Rücksicht auf alle anderen, fühlen uns schlecht deswegen, beschleunigen uns künstlich und obendrein ist jeglicher Rhythmus verloren ob der fehlenden Alltagsstruktur.  Wir haben keine Ferienstrukturen und -abläufe als Familie. Wir kennen sowas einfach nicht. Das heißt, wir haben bei all dem schwierigen Miteinander-Gerödel nichtmal ein Grundgerüst an das wir uns klammern können. So treiben wir von Tag zu Tag sinnlos zu dritt durch unsere freien Tage, geben uns schwerste Mühe und ich glaube wir können es dennoch kaum sehnlicher erwarten endlich wieder unseren langweiligen Alltag leben zu dürfen. Naja, eigentlich sehne ich mich für meinen Teil viel mehr nach Urlaub vom Urlaub als nach Arbeit. Alleine sein, Dinge tun die ich gerne tue, mein Tempo fahren dürfen usw. Am liebsten würd ich abhauen auf eine einsame Insel mit Vollverpflegung und Internet. Ich träume sehr oft davon wie schön es war, als ich noch ganz alleine lebte. In meiner eigenen Wohnung, in meinem Tempo und auf meine Art und Weise. Tja, das wird es so nie mehr geben und nun muß ich mit meinem neuen Alltag zu dritt und bald sogar zu viert einen neuen Umgang finden. Ich bin da ganz zuversichtlich daß das irgendwann klappen wird, aber derzeit geht das eben noch nicht.

Mich haben diese Tage enorm ausgebremst und das ist so höllisch anstrengend. Nie durfte ich im Kopf genügend rödeln, denken, planen, analysieren. Klar bekam ich sogar bewußt Zeit dazu, aber es hat nie gereicht. Höchstens für ein schlechtes Gewissen weil der Gatte permanent irgendwas macht und tut und ich nichts. Ich hätte zudem so gerne schwerphilosophische Gespräche mit Menschen geführt, mich einfach entspannt auf meine Weise. Was mir im Außen fehlt und mich gemütlich und tranig wirken läßt, läuft nämlich im Inneren zur hyperaktiven Höchstform auf. Nur dann bin ich wirklich tiefenentspannt und froh. Wenn im Innen alles in Warpgeschwindigkeit auf 1000 Ebenen gleichzeitig feuern darf, während das Außen stumm und starr in der Ecke hocken darf und einfach mal ganz lange nichts tut bin ich wahrhaft glücklich.  Mein Mann ist da glaub ich total andersherum drauf. Im Außen eher hyperaktiv und im Inneren still wenn es ihm gutgehen soll.

Leider läuft unglücklich sein bei mir dann eben genau so wie sein glücklich sein ab. Dinge tun müssen (egal wie nett), sich auf andere einlassen, Rücksicht nehmen, den Tag „sinnvoll“ verbringen, etwas schaffen, Pläne abarbeiten, berieselt werden, versorgen, umsorgen…

Blöde Sache das! Es ärgert mich enorm daß ich diese kostbare Erholungszeit irgendwie so vergeudet habe.

Tja, ich bin jetzt in einem Zustand in dem ich schwer überfordert durch permanente Unterforderung bin. Mir ist hochgradig langweilig und ich habe das Gefühl mein Hirn stirbt grade dadurch zunehmend ab. Es reicht meist nichtmal mehr zum schreiben. Nicht weil mir spannende Tätigkeiten fehlen, sondern weil ich durch diesen ewigen Familienalltag nicht in meinen Kopfspielplatz kann um einfach mal zu entspannen. Ich bin nervlich am Ende, ein Wrack und ich weiß nichtmal ob ich Montag ob meines Zustandes überhaupt arbeitsfähig sein werde.

 

 

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